Sichtestrich & Designestrich – Estrich als stylischer Bodenbelag

Gewöhnlich muss sich Estrich mit der Nebenrolle als nicht sichtbarer Unterboden bescheiden. In Nutzräumen wie Garagen, Hallen oder großzügigen Lofts kennt man den Boden immerhin auch als Darsteller für Designs, die auf industriellen Charme setzen. Abgeschliffen, poliert und anschließend versiegelt, füllt der – dann meist als Sicht-, Nutz- oder Designestrich bezeichnete – Bodenbelag jedoch auch Charakterrollen so überzeugend aus, dass moderne Innendesigns gerne mit ihm arbeiten.

Design- oder Sichtestrich kann aus verschiedenen Estricharten entstehen

Lehmestrich wird bereits seit prähistorischer Zeit von Menschen als Bodenbelag verwendet. Die alten Ägypter und Griechen setzten Gipsestriche ein. Kalkestriche wie der bis heute beliebte Terrazzo wurden schon vor den Römern in Anatolien um 7000 v. Chr. als Bodenbelag eingesetzt. Für die heute üblichen Estriche kommen diverse Rohstoffe und Bindemittel in Frage.

  • Zementestrich (internationales Kürzel: CT) ist sicher der Estrichtyp, der am bekanntesten ist. Es handelt sich um einen Beton, in der Regel um eine Mischung aus Sand, Zement und Wasser, die gern für Garagen, aber auch für Bäder verwendet wird. Zementestrich benötigt zum Austrocknen bis zu 28 Tage, wobei Risse entstehen können. Schnellestriche trocknen innerhalb von 48 Stunden, sind dafür aber auch wesentlich teurer.
  • Gussasphaltestrich (AS) besteht aus Splitt, Bitumen, Sand und Gesteinsmehl. AS ist ein schlechter Wärmeleiter, die Füße fühlen sich daher nicht so schnell kalt an. Zudem besitzt AS trittschallmindernde Eigenschaften.
  • Kunstharzestriche (SR) enthalten als Bindemittel Kunststoffe wie Expoxydharz, Polyurethan oder Polymethylmethacrylat. Sie sind wasserbeständig, bestechen durch eine kurze Trocknungszeit und können mit Pigmenten eingefärbt werden, sind allerdings auch vergleichsweise teuer.
  • Auch Magnesiaestrich kann eingefärbt werden, eignet sich jedoch nicht für Nassbereiche. Statt Zement wird hier das namensgebende Magnesia verwendet, das z.B. auch Turner verwenden, um die Hände trocken zu halten. Häufig wird es mit Holzmehl, Holzstückchen oder anderen organischen Stoffen wie Papier, Stoffresten oder Gummifasern gemischt, was eine abwechslungsreiche Oberfläche ergibt.

In der Regel wird Fließestrich verwendet. Der Estrich wird also quasi als „flüssiger Teig“ auf eine Isolierschicht aufgetragen, etwa mit einer Betonpumpe. Dank seiner Konsistenz verteilt sich Estrich sehr gut und ist leicht zu glätten. Je nach verwendeter Estrichart und Größe des Raums können dabei auch Rüttelmaschinen zum Einsatz kommen, sodass Bläschen herausgerüttelt werden. Räume bis etwa 40 qm2 kommen ohne Dehnungsfugen aus. Sind die Räume größer, empfiehlt es sich, drei bis vier Zentimeter breite Fugen in den Estrich zu sägen, die später mit Silikon aufgefüllt werden.

Erst durchs Abschleifen und Versiegeln wird Estrich zum Designboden für Wohnräume

An einem unbehandelten Estrich hätte niemand lange Freude. Die Poren des Estrichs sind zu groß, sodass sie leicht Schmutz und Feuchtigkeit anziehen und im Grunde nicht zu reinigen sind. Daher wird Sichtestrich stets zunächst abgeschliffen und danach poliert, sodass eine sehr gleichmäßige Oberfläche mit sehr feinen Poren entsteht.

Im nächsten Schritt wird der Estrich versiegelt. Dafür wird üblicherweise Epoxydharz verwendet. Zum Einsatz kann dafür aber auch Polyurethan, Kautschuk, Latex, spezielles Öl oder sogar Leder kommen. Mittlerweile gibt es auch spezielle Mittel, die sich der Nanotechnik bedienen. Möglich sind so Looks, die von edelgrau über knallbunt, durchsichtig, glänzend bis hin zu unterschiedlichen Mattierungen reichen.

Ein fertiger Sicht- bzw. Designestrich ist extrem pflegeleicht. Verunreinigungen können einfach weggefegt, abgesaugt oder aufgewischt werden. Estrich lässt sich zudem problemlos auch mit einer Fußbodenheizung kombinieren.

Gerne beantworten wir Ihnen weitere Fragen rund um Estriche – ob als Bodenbelag oder Unterboden.