Die Anwendungsmöglichkeiten von Estrich

Estrich wird im Allgemeinen der Aufbau von Fußböden als Untergrund für Fußbodenbeläge genannt. Er dient als Untergrund für Parkettböden und muss dementsprechend vor dem Parkett auf den Boden aufgetragen werden. Die teilweise recht lange Trocknungszeit macht oft den langwierigsten Teil des Verlegens von neuen Parkettböden aus. Doch Estrich dienst nicht nur als Untergrund, er kann auch direkt als Fußboden verwendet werden. Was Sie bei beiden Varianten beachten müssen, erklären wir Ihnen im folgenden Artikel.

Estrich

Estrich als Untergrund für Parkett

Wer einen neuen Fußboden verlegen lässt, der braucht Geduld. Der neue Boden ist nicht innerhalb weniger Stunden fertig, manchmal muss man mehrere Tage auf das entsprechende Zimmer verzichten.
Wenn der Untergrund unter dem Parkettboden neu gemacht werden muss, sollten einige Wochen Zeit eingeplant werden. Denn wenn zunächst mit Estrich eine glatte Oberfläche erzeugt werden muss, kann das Zimmer mehrere Wochen nicht benutzbar sein. Estrich muss richtig gut durchgetrocknet sein, bevor Parkett oder auch andere Bodenbeläge wie Fliesen darauf aufgebracht werden können. Beginnt man zu früh mit der Verlegung des Parketts könnte die Restfeuchte im Estrich noch zu hoch sein – Und das kann dem Bodenbelag stark schaden. Dann kann es passieren, dass der neue Holzboden aufquillt oder Fugen bildet, was meistens im Nachhinein beim Ausbessern sehr teuer wird.
Im Regelfall dauert es vier bis acht Wochen, bis der Estrich so weit getrocknet ist, dass der Bodenleger mit seiner Arbeit beginnen kann. Mit speziellen Trocknungsgeräten kann diese Zeit allerdings verkürzt werden. Wie lang die Trocknungszeit tatsächlich ist, hängt stark vom Raumklima ab. Deswegen kann der Handwerker sich nicht auf die vorgegebenen Trocknungszeiten verlassen, sondern muss die Restfeuchte professionell prüfen, bevor es mit dem Boden weitergehen kann.
Hierfür gibt es verschiedene Messmethoden. Im Baugewerbe zugelassen ist die CM-Messung mit einem Calciumcarbid-Messgerät. Für diese Messung wird Estrich aus dem Boden entnommen und mit Calciumcarbid aufgeschüttelt. Aus dem im Gefäß entstehenden Druck lässt sich dann die Restfeuchte im Estrich errechnen. Erst wenn ein bestimmter Wert erreicht ist, kann der Bodenleger mit dem Parkett loslegen. So können Schäden durch Restfeuchte im Estrich optimal vermieden werden. Auch wer ein Parkett selbst verlegt, sollte zuvor den Estrich überprüfen lassen. Denn auch wenn ein Estrich oberflächlich trocken scheint und schon sechs Wochen liegt – er kann in den unteren Schichten noch sehr feucht sein und damit den neuen Boden ruinieren.

Estrich als Bodenbelag – Sichtestrich & Designestrich

Gewöhnlich wird Estrich als nicht sichtbarer Unterboden für Parkett oder andere Bodenbeläge verwendet. In Nutzräumen wie Garagen, Hallen oder großzügigen Lofts kennt man den Boden allerdings auch als Verwendung für bestimmte Designs, die auf industriellen Charme setzen. Denn wenn man ihn abschleift, poliert und anschließend versiegelt kann man ihn gut als Bodenbelag einsetzen Gerade für moderne Innendesigns kann er genau die richtige Wahl sein. Bei dieser Methode der Verwendung wird er dann Design- oder Sichtestrich genannt.

Design- oder Sichtestrich kann aus verschiedenen Estricharten entstehen

Lehmestrich wird bereits seit prähistorischer Zeit von Menschen als Bodenbelag verwendet. Die alten Ägypter und Griechen setzten Gipsestriche ein. Kalkestriche wie der bis heute beliebte Terrazzo wurden schon vor den Römern in Anatolien um 7000 v. Chr. als Bodenbelag eingesetzt. Für die heute üblichen Estriche kommen diverse Rohstoffe und Bindemittel in Frage.
Hier eine Übersicht:

  • Zementestrich (internationales Kürzel: CT) ist sicher der Estrichtyp, der am bekanntesten ist. Es handelt sich um einen Beton, in der Regel um eine Mischung aus Sand, Zement und Wasser, die gern für Garagen, aber auch für Bäder verwendet wird. Zementestrich benötigt zum Austrocknen bis zu 28 Tage, wobei Risse entstehen können. Schnellestriche trocknen innerhalb von 48 Stunden, sind dafür aber auch wesentlich teurer.
  • Gussasphaltestrich (AS) besteht aus Splitt, Bitumen, Sand und Gesteinsmehl. AS ist ein schlechter Wärmeleiter, die Füße fühlen sich daher nicht so schnell kalt an. Zudem besitzt AS trittschallmindernde Eigenschaften.
  • Kunstharzestriche (SR) enthalten als Bindemittel Kunststoffe wie Expoxydharz, Polyurethan oder Polymethylmethacrylat. Sie sind wasserbeständig, bestechen durch eine kurze Trocknungszeit und können mit Pigmenten eingefärbt werden, sind allerdings auch vergleichsweise teuer.
  • Auch Magnesiaestrich kann eingefärbt werden, eignet sich jedoch nicht für Nassbereiche. Statt Zement wird hier das namensgebende Magnesia verwendet, das z.B. auch Turner verwenden, um die Hände trocken zu halten. Häufig wird es mit Holzmehl, Holzstückchen oder anderen organischen Stoffen wie Papier, Stoffresten oder Gummifasern gemischt, was eine abwechslungsreiche Oberfläche ergibt.

In der Regel wird Fließestrich verwendet. Der Estrich wird also quasi als „flüssiger Teig“ auf eine Isolierschicht aufgetragen, etwa mit einer Betonpumpe. Dank seiner Konsistenz verteilt sich Estrich sehr gut und ist leicht zu glätten. Je nach verwendeter Estrichart und Größe des Raums können dabei auch Rüttelmaschinen zum Einsatz kommen, sodass Bläschen heraus gerüttelt werden. Räume bis etwa 40 qm2 kommen ohne Dehnungsfugen aus. Sind die Räume größer, empfiehlt es sich, drei bis vier Zentimeter breite Fugen in den Estrich zu sägen, die später mit Silikon aufgefüllt werden.

Erst durchs Abschleifen und Versiegeln wird Estrich zum Designboden für Wohnräume

An einem unbehandelten Estrich hätte niemand lange Freude. Die Poren des Estrichs sind zu groß, sodass sie leicht Schmutz und Feuchtigkeit anziehen und im Grunde nicht zu reinigen sind. Daher wird Sichtestrich stets zunächst abgeschliffen und danach poliert, sodass eine sehr gleichmäßige Oberfläche mit sehr feinen Poren entsteht.

Im nächsten Schritt wird der Estrich versiegelt. Dafür wird üblicherweise Epoxydharz verwendet. Zum Einsatz kann dafür aber auch Polyurethan, Kautschuk, Latex, spezielles Öl oder sogar Leder kommen. Mittlerweile gibt es auch spezielle Mittel, die sich der Nanotechnik bedienen. Möglich sind so Looks, die von edelgrau über knallbunt, durchsichtig, glänzend bis hin zu unterschiedlichen Mattierungen reichen.
Ein fertiger Sicht- bzw. Designestrich ist extrem pflegeleicht. Verunreinigungen können einfach weggefegt, abgesaugt oder aufgewischt werden. Estrich lässt sich zudem problemlos auch mit einer Fußbodenheizung kombinieren.
Gerne beantworten wir Ihnen weitere Fragen rund um Estriche – ob als Bodenbelag oder Unterboden.

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