Moderne Vinylböden – gut für Gesundheit und Umwelt?

Ein Vinylboden ist preiswert, robust und pflegeleicht. Zudem gibt es den auch als PVC-Boden (Vinyl und PVC sind jeweils Abkürzungen für Polyvinylchlorid) bekannten Bodenbelag in jedem denkbaren Design sowie in unterschiedlicher Form als Fliese, Platte, Planke oder Bahn. Moderne Vinylböden werben gern damit, auf schädliche Weichmacher und Zusätze zu verzichten. Ist das nur Etikettenschwindel oder tatsächlich gut für unsere Gesundheit und Umwelt?

Wie der Vinylboden in die Welt kam

Während Sie diese Zeilen lesen, sind sie aller Voraussicht nach umgeben von PVC. Moderne Fensterrahmen bestehen ebenso aus diesem Kunststoff wie etwa die Ummantelungen von Kabeln oder die Geld- und Kreditkarten, auf die die meisten von uns sicher nur ungern verzichten würden. Der Ursprung des heute so allgewärtigen Stoffs geht zurück auf das 1838 durch den französischen Physiker und Chemiker Victor Regnault im Labor seines Gießener Lehrers Justus von Liebig erstmals synthetisierte Vinylchlorid. VC ist eine Grundsubstanz von PVC, was Regnault nur zufällig feststellte. Er hatte etwas VC längere Zeit im Sonnenlicht stehenlassen, wodurch es sich in ein weißes Pulver verwandelt hatte: dem PVC.

Regnaults zufällige Entdeckung fand jahrzehntelang keine Beachtung. Erst ein weiterer Zufall brachte das PVC wieder ins Bewusstsein. Der deutsche Chemiker Fritz Klatte arbeitete 1912 für die „Chemische Fabrik Griesheim“, nahe Frankfurt. Das Chemiewerk lebte gut vom Verkauf von Natrium, das etwa zur Herstellung von Seife benötigt wurde. Gewonnen wurde es aus Natriumchlorid, also Kochsalz. Übrig blieb dabei jede Menge Chlor.

„Machen Sie mal was Schönes daraus!“

Klatte erhielt den Auftrag, „mal was Schönes“ aus dem überschüssigen Chlor zu machen. Und hier kommt wieder Victor Regnault ins Spiel. Der hatte 70 Jahre zuvor seine Entdeckung in einem Aufsatz beschrieben. Als Klatte diesen Aufsatz las, besah er sich das darin beschriebene weiße Zeug mit dem Chlor-Anteil genauer an und war rasch begeistert. Es verhielt sich ähnlich wie das zu dieser Zeit viel genutzte Zelluloid, kam jedoch ohne dessen unangenehme Begleiterscheinung aus: Zelluloid ist hochexplosiv.

Das von Klatte hergestellte Polyvinylchlorid dagegen verhielt sich harmlos, ließ sich im Labor gut formen, sodass es sich für allerlei Anwendungen empfahl. Klattes Erfindung wurde 1913 zum Patent angemeldet. 1926 gab Griesheim das Patent jedoch wieder auf, da es dem Unternehmen technisch nicht gelang, PVC im industriellen Maßstab herzustellen. Dennoch wurde bereits Ende der 1920er Jahre Hart-PVC in den USA großtechnisch hergestellt.

Erst 1934 fand die zur IG-Farben gehörende BASF eine Möglichkeit, auch ein Weich-PVC herzustellen, das sich nach der Abkühlung nicht zersetzte. Ab 1935 begann dann die Produktion des als Igelit vermarkteten Kunststoffs, der nun für so unterschiedliche Anwendungen wie Plastikrohre oder Regenmäntel zum Einsatz kam. Der weltweite Durchbruch gelang dem Kunststoff nach 1945 unter der Bezeichnung PVC. Es findet sich nun in quasi allen Produkten des täglichen Bedarfs wieder – von der Klobrille, der berühmten Vinyl-Schallplatte und in großer Verbreitung nun auch als Bodenbelag.

Wie der Vinylboden zu seinem schlechten Ruf kam – harte Fakten zu Weichmachern

Neben Natriumchlorid (Salz) bedarf es zur Herstellung von PVC auch Öl und Gas. Der daraus gewonnene thermoplastische Kunststoff ist zunächst einmal hart und spröde. Um ihn als Bodenbelag einsetzen zu können, werden Weichmacher und andere Stoffe eingesetzt. Erst durch sie wird der Stoff „plastisch und elastisch“ sowie leicht genug für viele Anwendungsbereiche. Namentlich die als Phthalate zusammengefassten Weichmacher gerieten um die Jahrtausendwende herum in Verruf. Studien ergaben, dass einige Phthalate wie Hormone wirken, Krebs erzeugen, das Erbgut verändern und die Fortpflanzungsfähigkeit einschränken können. Ähnlich gesundheitsgefährdende Wirkungen gehen von Substanzen wie Dubutylzinn aus, das den PVC-Böden zugesetzt wurde, um sie beständiger zu machen.

Die Industrie reagierte auf die Vorwürfe damals zunächst, indem sie abwiegelte: die Phthalate seien im Material fest verbunden, die Ausdünstungen seien minimal. Grenzwerte allerdings gab es bis dahin nicht. Nachdem Phthalate auch in Kinderspielzeug gefunden wurden und immer neue Studien die Bedenken gegenüber diesen Weichmachern weiter nährten, verbot 2005 die EU die Produktion von Phthalaten. Seit 2015 ist es gänzlich verboten, Produkte mit Phthalat Weichmachern in den Verkehr zu bringen.

Moderne Vinylboden profitieren von neuen Herstellungsverfahren – sind gesundheitlich unbedenklich und mittlerweile auch recyclebar

Auch die Industrie hat seither umgedacht und setzt mittlerweile auf phthalatfreie Weichmacher, die mitunter sogar aus Getreideresten gewonnen werden. Auch die Produktion wurde dank der Selbstverpflichtung der Hersteller ab 2000 umwelt- und gesundheitsfreundlicher. Denn nicht nur die Diskussion um Phthalate setzte den Herstellern von PVC-Produkte zu. Auch die von ihnen verursachten chlororganischen Emissionen gerieten ins Visier einer Öffentlichkeit, die bei Umweltsünden nicht länger wegschauen wollte.

Galt Vinyl vor dem Jahr 2000 praktisch als nicht recycelbar, gelingt dies dank umweltfreundlicherer Verfahren zunehmend besser. Ein Vinylboden kann heutzutage zu 100 Prozent wieder in den Produktionsprozess zurückfließen und so erneut als PVC-Boden oder in Form eines anderen Produkts genutzt werden. Die endgültige Entsorgung allerdings kann nach wie vor nur in der Verbrennungsanlage erfolgen.

Entwarnung darf man auch hinsichtlich der früher geäußerten gesundheitlichen Bedenken gegenüber den Böden aus Vinyl geben. Sie werden vor dem Verkauf mittlerweile unzähligen Tests und Prüfungen unterworfen. Wer beim Kauf eines Vinylbodens auf die CE-Kennzeichnung achtet, darf im Regelfall daher sicher sein, einen PVC-Boden ohne gesundheitsschädlichen Weichmacher zu erhalten. Eine Alternative bieten aber auch manche Designböden, da viele von ihnen ganz auf Vinyl verzichten.

Gerne beantworten wir Ihnen weitere Fragen rund um Vinylböden. Selbstverständlich verlegen wir auch gerne für Sie einen PVC-Boden, Parkett, Laminat oder einen anderen Bodenbelag!

Teilen Sie diesen Beitrag mit Ihren Freunden!